Sunday, March 05, 2006

Seit Monaten.....

...schon gibt es hier keine Neuig-, Schlechtig- oder Mächtigkeiten mehr.
Als mich jetzt ein Klangholz am Kopfe traf, geschwungen, -ziehlt und -worfen von Ole dem Absurdianer kam mir das im Sinne einer kurzen Rückmeldung äußerst gelegen. Euch auch, da ich euch deswegen nicht mit der Realität meines momentanen Tagesablaufes penetrieren muss, die alles andere als aufregend, höchstens -schmeissend ist....für mich....

1. ein Track... aus deiner frühesten Jugend

Ich kann mich noch genau daran erinnern in einem Alter, das im Nachhinein zu einem ca. 5 Jahre umfassenden Klumpen Erinnerung zusammenbreit, im Auto vor dem "Ihre Kette"-Markt zu Holtland (Inh. Oltmann Sinnen) zu sitzen und einer Melodie aus Meeresrauschen und Fischerklavier zu lauschen, die ich seitdem mit diesem einen Momet, der stellvertretend für den erwähnten Zeitklumpen steht, verbinde. 20 Jahre später habe ich nach einer Biertrunkenen Erinnerungsodyssee mit einem guten Freund und einer Monatenlangen investigativen Glanzleistung dieses Herren herausgefunden dass es sich um ein Stück von James Last names Biskaya handelt. Ich höre es heute manchmal zum Einschlafen.

2. ein track... den du mit einer großen Liebe assoziierst

Die Dame würde mich dafür schlagen dass ich es eine große Liebe nenne, und sie hat wahrscheinlich recht damit, weil ich sie damals schlecht behandelt habe - Aber da es hier ja wohl um diese Art Dinge geht ist es Angl von Sarah McLachlan, weil ich noch heute bei diesem ekelerregende schönen Schnulzbrocken an die mich schlagende Dame denken muss. Und von welcher Seite die große Liebe kam soll hier mal keine Rolle spielen....(Diese Beitrag wird - wenn er ironisch wahrgenommen wird - falsch wahrgenommen!)

3. ein track.... der dich an einen Urlaub erinnert

Es ist ca. 8:00 Morgens an einem Sonntag als wir nach ca 24 Stündiger Zugfahrt vom Lago di Garda, über Mailand, die Schweizer Alpen, Basel, einen Haufen Städte im deutschen Rheingebiet und einem dreistündigen Aufenthalt in Dortmund schließlich in Leer ankommen, wo uns vor ca. einem Monat ein Bahnbeamter mit schwarz gefärbtem Schopf und Totenkopfringen (wohl in der Ausbildung) eine Bahnverbindung ausgedruckt hatte, die nicht existierte. Ironischer Weise höre ich bei der Einfahrt in den Bahnhof ein letztes Mal Moonspell mit Alma Mater. Einen Song den Carolin mir in diesem Urlaub vorgespielt hatte und der zu einer unauslöschlichen Erinnerung an eine Zeit geworden ist, die ich als eine der schönsten meines Lebens wahrnehme.

4. ein track... von dem du in der Öffentlichkeit nicht so gerne zugeben möchtest, dass du ihn eigentlich ganz gerne magst.

Es ist mir in den letzten Jahren sehr ans Herz gewchsen weniger clevere bzw. geschmackssichere Menschen mit meinen radikal subjektiven Vorlieben für Demis Roussos, Ronan Keating, Westlife oder Roxette zu schockieren. Einer der wenigen Songs der mir immer noch etwas peinlich ist, ist Michael Jackson "Will you be there". Harter Toback, hm?

5. ein track... der dich - geplagt von Liebeskummer - getröstet hat.

14, Andrea Koschubat, Roxette - Crash boom bang...... Aaaaaaaaaaaaaaahahahahahaha!
HrmHrm....entschuldigung, im Nachhinein...Tststs....

6. ein track... den du in deinem Leben vermutlich am häufigsten gehört hast...

Ich stelle gerade Berechnungen an, da es mir schwer fällt zu glauben, dass es wirklich ein song ist, den ich erst vor 6 Jahren zum ersten Mal gehört habe. Damals spielte mir ein langhaariger, massiv melancholischer Mensch, der bis heute deiner der großartigsten Menschen ist, die ich kenne, am Aasee sitzend Round Here von den Counting Crows vor. Erst späder erinnerte ich mich dass ich den song in einer Liveversion schon kannte - doch erst da fing ich an ihn wirklich häufig, also wirklich häufig zu hören.

Am häufigsten habe ich wohl irgendeinen Toolsong vom Aenema-Album gehört. Aber diese Geschichte ist einfach besser - fühlt sich zumindest besser an.

7. ein track... der dein liebstes Instrumental ist

Goodspeedyoublackemperor - Slowriotfornewzerokanada
20 Minuten aufsteigender Fall in die tiefsten Abgründe der Melancholie. Hat mich in der Frühzeit meines Stuiums vor so manchem Absturz bewahrt.

8. ein track... der eine deiner liebsten bands repräsentiert

Es gibt eine band die mich dazu bringt auf dem Fahrrad laut mitzusingen, egal ob Menschen in der Nähe sind. Die vor dem inneren Auge Massenproteste der Unterdrückten und Gegnechten auflaufen lässt, die endlich gegen die Unterjochung aufstehen, die Fäuste hochreißen und nach der Freiheit verlangen die sie verdienen..... Für drei Minuten ist man die personifierte Revolution wenn man auf dem Fahrrad Rookie von Boysetsfire mitsingt!

9. ein track... in dem du dich selbst wiederfindest, oder dich auf eine gewisse Art und Weise verstanden fühlst.

Ca. 100 aber der erste der mir einfiel war Nada surf mit Inside of love.

10. ein track... der dich an eine spezielle Begenheit erinnert (und welche das ist)

Ich kann mich an einen Morgen nach der Sputnikhalle bei einem Menschen erinnern, der einen Weg gegangen ist, mit dem in diesem Moment niemand gerechnet hätte. Ich hatte kurze Zeit vorher zum ersten Mal die Dropkick Murphys gehört, und als ich auf die Frage welche Musik ich hören wolle keine schnelle Antwort parat hatte erklang nach kurzen Momenten "Walk Away" ... Ein song der im nachhinein ironisch bezeichnend ist für die Art und Weise, wie ichs mal wieder geschafft habe es kaputt zu machen.....Kryptisch? Richtig so.

11. ein track... bei dem du am besten entspannen kannst

Ich kann bei Musik nicht entspannen. Wenn mich Musik nicht irgendwie fesselt ist sie nicht wirklich interessant. Es gibt Musik die mich langweilt - aber was hzier wohl am ehesten passt ist Musik die mich beruhigt. In dem Falle wäre es wohl Radio Head mit dem Pyramidsong oder ähnlichem...

12. ein track... der für eine richtig gute Zeit in deinem Leben steht.

Ich habe noch keine wirklich schlimme Zeit durchgemacht. Aber stellvertretend für eine richtig gute Zeit könnte Demon Cleaner von Kyuss sein. Ich glaube nicht, dass ich mich nach der Zeit in der uns dieser song jede Woche aufs neue ein breites Grinsen aufs Gesicht zauberte wieder so Sorglos gefühlt habe. Generell ist aber ja das Tolle an Musik, dass sie den vollständigen Durchschnitt in glänzendes Gold verwandeln kann....

13. ein track... der momentan dein Lieblingssong ist

Mal wieder My Hero von den Foo Fighters. Nachts, wenn man den eigenen Atem sieht, auf den einsamen Strassen, in den Lichtern....

14. ein track... den du deinem besten Freund widmen würdest

Ich könnte jedem einzelnen meiner besten Freunde einen song widmen. In den Sinn kam mir als erstes Off he gos von Pearl jam für Moritz. Ein song für jemanden der irgendwie immer getrieben und rastlos ist....

15. ein track....bei dem du das Gefühl hast, dass ihn außer dir niemand gerne hört

Gibt es nicht - Ich steh auf Hits

16. ein track... den du vor allem aufgrund seiner lyrics magst

Bright Eyes mit Poisoned Oak. Wie kann man so ein großes Bild finden wie "When our tewlfon was a tincan on a string" wenn man Kindheit beschreiben will?

17. ein track... der weder deutsch noch englischsprachig ist und der dir sehr gefällt.

Angelo Branduari---- Ich hab tatsächlich gerade den Namen vergessen. Wie bezeichnend.

18. ein track... bei dem du dich bestens abreagieren kannst

Modern Life is war - Dead Ramones. Ich weiss nicht wie oft ich in meinem Zimmer stand undbei "D E A D R A M O N E S " den Finger gegen die Decke geschleudert habe...

19. ein track... der auf deiner Beerdigung gespielt werden soll.

Cranberries - No need to argue. Eigentlich ein song über eine zuendegegangene Liebe. Aber für mich steht der Refrain auch stellvertretend für jede Form von Ende, Aus, Vorbei.

20. ein track... den du zu den besten aller Zeiten rechnen würdest

Snow Patrol. Run. So simpel und so gut. So nah am perfekten Popsong.

Fühlt frei es mir nachzutun.

Sunday, December 18, 2005

Das Videoclipleben

Über Musik, und was sie in den zugegebener Maßen recht subjektiv dreinblickenden Augen des Konsumenten gut macht, zu schreiben, ist ja bekanntlich in etwa so wie zu Blackmetal zu vögeln: Nicht absolut unmöglich, aber auch immer irgendwie weit entfernt von passend. Als es in letzter Zeit, wie am Jahresende üblich, in meinem musikalisch geschulten Freundeskreis zur Diskussion um die herausragendsten Platten des vergangenen Monatsduzents kam, ward mir deshalb die grundsätzliche Lust, meine Meinung zu diesem Thema der geneigten Öffentlichkeit aufs Brot zu schmieren von eben dieser Erkenntnis vergrämt. Ganz verzichten wollte ich - so lieb sind einem diese Traditionen mitunter bereits - dennoch nicht, und so offeriere ich in einer halbgaren Form des Kompromisses an dieser Stelle meine Platten des Jahres ohne den obligatorischen Rezensionsschmu, sondern lediglich mit den bescheidenen Versuchen, einige metaphorisch Wendungen für das zu finden, was die Songs der Tonträger für mich so reizvoll macht. Dem Röhrich-Gedächtnis-Gefühl ("Totaler Griff ins Klo") liefere ich mich hiermit offiziell aus. Besten dank.
Und mal auf ein ganz anderes Niveau zurückgekehrt: Die unten aufgeführten Platten sind allesamt der reine Oberhammer.

COMEBACK KID - WAKE THE DEAD
Geballte Fäuste. Gereckte Finger. Schweiss. Kehlen. Parolen. Adrenalin. Jungsromatik.
Das zwar unangebrachte aber deswegen nicht minder wohlige Gefühl dem gesichtslosen Gegner eine volle Breitseite entgegen zu brüllen. Wir wissen zwar nicht wer Wir sind, aber immerhin sind die Anderen nicht dabei. Juvenile Exklusivität wie das letzte Mal mit 15.
"It was us against the wall....Now, it's just me"

ESCAPADO - HINTER DEN SPIEGELN
Herzrasen. Zum Zerreissen angespannte Gesichtszüge. Das zitternde Warten auf den Schrei, das Break, die Zeile. All das, was die emotionalen Dämme einzureißen in der Lage ist wie der Finger, der, die Sehne entlassend, den Arm wie den Pfeil gen Himmel schnellen lässt. Bogen, Klimax, Erlösung. Und schließlich das Zurückgelassen sein mit der Stille nach dem Sturm.
Dankbares Zerschmettertsein.
"Scheiss auf Vergangenheit, Scheiss auf die Zukunft, Du siehst den Moment....."

BRIGHT EYES - I'M WIDE AWAKE, IT'S MORNING
Lichterketten. In Bäumen. Im mentalen Gestrüp der vergifteten Eiche. Die Schönheit im Bruch. Stütze im Gebrochenen. Aufgefangensein im Fall des Sprechers einer Generation die stumm bleiben muss. Sechs Saiten, die eine Schlinge bilden, in die man das schwer gewordene Haupt gerne bettet. Nur kurz.
"We made love on the livingroom floor, to the noise of a televised war."

mEwITHOUTyOU - CATCH FOR US THE FOXES
Sprenkel. Kreise. Was einen nach Außen trägt. Und empor. Hochgewirbelt in der lächelnden Zentrifuge. Die tongewordenen (Korn-)Kreise im Dunkeln geschlossener Augen, in denen noch das Licht des letzten Blickes klebt. Hippiescheisse in Rapsfeldern. Kneift mich mal nicht, Verkniffene.
"We'll be like Torches!"

OKKERVILLE RIVER - BLACK SHEEP BOY
Wunden im Vlies. Im schwarzgefleckten Goldenen. Was schimmert, stumpft. Etwas spuckt Wörter auf den guten Teppich und macht Flecken. Es ist so unlaublich kuschelig in diesem Raum, das man kaum bemerkt wie man zu schwitzen beginnt. Nicht einschlafen jetzt, da könnten Monster unter dem Bett sein.
"I would be everything, that you wanted me to be."

Monday, November 28, 2005

28.11.05. Münster Aegiimarkt.

Was genau jetzt so irrsinnig gemütlich, lustig oder sonstwie erfreulich daran sein soll, sich bei nasskalten Minus 2 Grad eine ca. 40 Quadratmeter große, von Chris Rea- und Wham-Hits beschallte Freifläche mit gefühlten 3000 weiteren Vollspaten zu teilen und sich aufgewärmten Fusel von vore Währung zwischen die spröden Lippen zu schütten wird für mich wohl ewig ein Msterium bleiben. Aber vielleicht braucht man rot blinkende Rentierantennen um das verstehen zu können.

Wednesday, November 23, 2005

Posting-Serien, die in 90% der Fälle nicht über die erste Folge hinausgehen

Teil 5 (oder so): Frontmänner die abgesehen von ihrer künstlerischen Großartigkeit noch andere Vorzüge besitzen!

Teil5 (oder so) .1 : Sven Regener (Element of Crime)




Worum es nicht geht ist die Tatsache, dass dieser Mann mit "Herr Lehmann" und "Neue Vahr Süd" der Verfasser zweier Romane ist, die sich in den letzten Jahren mehr und mehr in den Lesekanon aller Nicht-, Doch- und Möchtegernhamburger jenseits von Barenfeld geschlichen hat. (Spontan muss ich hier die Frage einfließen lassen ob es Herrn und Frau Baron und Baronesse von Barenfeld wohl erlaubt würde ihre Erstgeborene Jenseits zu nennen. "Mein Name ist Von Barenfeld. Jenseits von Barenfeld".... aber das nur am Rande!) . Ich muss mir ein Urteil über diese Romane nicht einmal verkneifen, da ich sie nie gelesen habe. Der Leser kann sich sicher sein, dass ich sonst behende einen intertextuellen Bezug aus dem literarischen Ärmel geschüttelt hätte, der jedem Kenner der Materie ein wissendes Lächeln aufs nach intertextuellen Bezügen lechzende Gesicht gezaubert hätte.

Worum es allerdings mit Recht gehen könnte ist die Tatsache, dass dieser Mann der kongeniale Sänger der nicht minder genialen (ohne kon-) Band "Element of Crime" ist, und es in dieser Funktion bereits unzählige Male geschafft hat den spröden, knarzigen Tonkompendien seiner Mitstreiter Texte auf den niedergeschmetterten Leib zu schreiben, die jedem noch so hartgesottenen Verächter des nach Tabak und Whiskey müffelnden Kneipenchansons Tränen der Verbrüderung aus den sonst verdorrten Drüsen leiern. "Ja, mein Gott, ich weiß doch wie es ist!" möchte man ihm entgegen schreien wenn er in "Weißes Papier" singt: "Nicht mal das Meer darf ich wiedersehen, wo der Wind deine Haare vermisst!" Neben Bruce Springsteens "Dry Lightning" die wohl verbittertste Ode an die Sehnsucht nach der Verflossenen!

Worum es tatsächlich geht ist aber die Tatsache, dass dieser Mann auf Konzerten seiner Band die Angewohnheit hat zwischen den Songs unvermittelt aufzustehen und lauthals "Romantik" ins Publikum zu brüllen! Irgendwo zwischen der mir eigenen Abscheu für peinliches Pathos und anerzogener wissenschaftlicher Abgeklärtheit habe ich mich gestern Nacht entschlossenen, das unheimlich großartig zu finden!
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Tuesday, November 01, 2005

Hilmars Tipps für cooles Auftreten in der Öffentlichkeit

Teil 3: Modische Entgleisungen in und über dem Gesicht!

Ganz und gar unvorteilhaft für den Versuch in subkulturell ernstzunehmender Umgebung - was New-Rock-, New-Metal- und HipHop-Konzerte eh ausschließt - einen Deanschen Auftritt inklusive klebriger Blicke und Unterwäsche auf seiten des jeweils anderen Geschlechts hinzulegen, ist die Austattung des Gesichts mit folgenden Attributen, hier aufgeführt aufsteigend nach Level der "Geschlechtsverkehr-Ausschluss-Potenz":

1. Kinnbärtchen
(besonders gefährlich in seiner mutierten Form als "Zwirbel"-Bärtchen!)
2. Gefärbtes Haupthaar
(Besonders bei Leuten die meinen sich nach der Abholzung der Mattetrotzdem noch einen irgendwie gearteten visuellen Rebel-Yell bewahren zu müssen. Davon, andere behaarte Partien des Körpers einzufärben rate ich zwar ebenso ab, aber das ist eine andere Geschichte die ein andermal erzählt werden soll)
3. Kombination aus Kinnbärtchen (bzw. Zwirbelvariante) und (im schlimmsten Falle rot) gefärbten Haaren.

Gut, ich muss zugeben, dass unser kleiner Coolnessberater hier etwas einseitig die männliche Seite modischer Fehlleistungen beleuchtet, da ein Kinnbart für die Attraktivität eines holden weiblichen Geschöpfes , aus Gründen, deren Untersuchung wir hier der Anthropologie überlassen wollen, meist ohnehin eher kontraproduktiv ist. Aber gerade wegen des verbreiteten Irrglaubens, das Einbüßen von Coolnesspunkten durch einen oder mehrere der oben aufgeführten Faktoren sei aus was für Gründen auch immer auf das schöne Geschlecht begrenzt, zwingt mich zu einer rigorosen Gegendarstellung!

Als Layne Staley anno '91 von einem Fotographen der Zeitschrifft Visions im Hinterhof der Düsseldorfer Phillipshalle abgelichtet wird, sind der Situation mehrer Faktoren inhärent, die sein Kinnbärtchen und den mit einem irgendwo zwischen rot und lila angesiedelten Farbton eingefärbten Haarschopf rechtfertigen. Dazu gehören unter anderen, dass es 1991 ist, Layne Staley seines Zeichens extrem talentierter Sänger der hervorragenden Rockband AliceInChains (ich vermeide den Terminus den der ein oder andere musikhistorisch vorgebildete Leser hier vielleicht erwartet) , und bereits zu diesem Zeitpunkt schwerst Heroinabhängig. Wenn auch der letzte Punkt und vor allem dessen spätere Folgen den Gesamteindruck etwas trüben mögen (Layne Staley erlag 2003 seiner Drogenabhängigkeit), müssen für den hier im Vordergrund stehen Zusammenhang folgende Tatsachen attestiert werden:
1. Unabhängig von Bart- und Haartracht war der Mann, der dem seit Ende der 70 absolut zu recht von der Bildfläche verschwunden Look zu neuer Popularität verhalf, auch ohne diesen Look bereits einer von den coolen Typen! Hallo? AliceInChains?
2. Obgleich er einer von den coolen Typen war, spricht sein Drogenkonsum nicht gerade für die uneingeschränkte Übertragbarkeit seiner Entscheidungen, inklusive der modischen, auf die Allgemeinheit. Oder liege ich da falsch?
3. Es war 1991! 1991! Zur Erinnerung: Wir schreiben das Jahr 2005! Der von mir nicht näher spezifizerten musikhistorischen Epoche sind mittlerweile 5 weitere von der bösen bösen Plattenindustrie bis zum Gehtnichtmehr ausgeschlachtete Strömungen gefolgt, deren mehr oder weniger haarsträubende modische Begleiterscheinungen sich weniger resistent gegen ihre absolut berechtigte und notwendige Ausmerzung gewehrt haben.

Deshalb hier mein Appell an jeden Endzwanziger, der mit seiner semipermeabelen Alternativ-Schmock-Band ("Ja, unser Sänger ist ein selbstverliebter Wichser, und wir wollten ihn schon längst mal rausschmeißen, aber wir können nicht, weil wir bei seinen Eltern im Keller proben!") die Bühnen aller "Rock-Keller" dieses Landes vollstellt, und sich einbildet, dass neben Bundeswehrstiefeln und Nirvana-Shirts ein Kinnbärtchen und eine wie auch immer eingefärbte bzw- getönte Kurzhaarfrisur das ultimative Mittel zur Unterstreichung der eigenen Abgrenzung zum "Kommerz" und "Mainstream" und sonstigen liebevoll gehüteten Feindbild-Phantasien sind: Klemms dir! Es ist vorbei, du hast verloren, und siehst dabei auch noch scheisse aus! Wichser wie du und deine doofen Freunde, haben Leuten wie Layne Staley mit ihrer himmelschreind schlecht versteckten Spießigkeit die Nadel in den Arm gejagt!

Dabei fällt mir ein: R.I.P


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Saturday, October 29, 2005

Typen, die einem noch aus dem Jenseits aufn Sack gehen

Heute: Cosmas von Prag

Auch wenn es keine meiner Kategorien bisher auf mehr als drei Episoden vor ihrer Ab- oder Aussetzung gebracht hat, zwingt mich meine Profession, mir hier einmal die Zeit zu nehmen für die interessierte Umwelt diejenigen Gestalten visuell zu dokumentieren, die selbst beträchtliche Zeit nach ihrem Ableben nicht müde werden ihre knochigen Hände nach mir auszustrecken, mich am Kragen packen um mir beschwörend ins Ohr zu flüstern: "Berichte der Nachwelt meiner!"

In der ersten Folge dieser Serie ist es der böhmische Chronist Cosmas Pragensis, ein Dekan der Prager Bischofskirche der zu Beginn des zwölften Jahrhunderts die erste "Nationalchronik" der böhmischen Lande verfasste, den ich dem geneigten Leser präsentiere. Über die politischen Identitäten, die in seinem Werk zutage treten schreibe ich momentan eine Hausarbeit, die mich - wie fast alle Hausarbeiten der letzten 5 Jahre - in den Wahnsinn zu treiben droht. Ich wollte nur dass ihr das wisst!

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Thursday, October 27, 2005

Das Highlight des Tages...

...waren für mich die beiden älteren Herren, die es sich in den letzten Wochen angewöhnt haben, es sich ganze Nachmittage lang im Foyer der Universitäts- und Landesbibliothek zu Münster bequem zu machen. Diogenes gleich, den profanen Gütern der mentalen Entäußerung, wie sie so typisch auch für die angebliche Bildungselite dieser dunklen Tage ist, sich verwehrend, nehmen sie vorlieb mit dem Mönchsgewand unserer Tage, speckigen Pollundern und versifften Cordhosen. Dort sitzen sie, doch nur für die Augen sichtbar, im Geiste aber in Sphären entrückt, die wir den Engeln allein anheim stellen, und bewahren in ihren klebrigen Plastiktüten sicherlich Schätze auf, deren Wert wir Kleingeister kaum erfassen könnten. Die kleinen Wahrheiten dieser Prohetischen Greise, die man auf dem Weg nach draußen, zur wohlverdienten Rauchpause, mit der leicht wurmstichigen Luft einatmet, die diesem Hort der Bildung zueigen ist, entbinden das Hirn wenn auch nur zeitweise von der Last der wissenschaftlichen Bürde. Sie gewähren einen kurzen aber inspirierenden Einblick in die gute Stube des Dr. Faustus, ins Laboratorium der Erkenntnisse derer wir in unserem begrenzten Geiste sonst nie habhaft werden würden. So wie z.B. dieser:

A: "....Joah, nä...."
B: "Jaaa, besser is da son sämiger Linseneintopf!"
A: "Gaaaanz genau!"